Curriculum

 

Entwicklung eines Curriculums "Gender Studies und TechikKultur" für die drei Braunschweiger Hochschulen


Bisher wurden Themen der Frauen- und Geschlechterforschung an FH, HBK und TU auf vielfältige Weise in Forschung und Lehre, aufgegriffen. Das Braunschweiger Zentrum für Gender Studies wurde u.a. eingerichtet, um hier ein gemeinsames Studienangebot zu schaffen. Bereits ehe das Zentrum im April 2003 seinen Betrieb aufgenommen hat, wurden zahlreiche Überlegungen festgehalten, wie ein solches Angebot inhaltlich gefüllt und formal strukturiert sein könnte.

Im Antrag auf Einrichtung des Zentrums – ausgearbeitet maßgeblich durch Dr. Silke Lesemann und Prof. Dr. Bettina Wahrig – ist das Vorhaben ausgewiesen, einen interdisziplinären Studiengang „Gender Studies in Technik(kultur)“ zu entwickeln. Es heißt dort, dass eine auf den Themen der seit mehreren Semestern stattfindenden interdisziplinären Ringveranstaltung „Geschlechterdifferenzen aus interdisziplinärer Sicht“ aufbauende Fortsetzung in modularisierten Seminaren geplant und teilweise bereits in Umsetzung begriffen ist. „Die Vernetzung des Lehrangebotes sollte weiterhin der hochschuldidaktischen Reflexion bei den Lehrenden dienen und dazu beitragen, Lehr- und Lerninhalte methodisch vielfältiger zu gestalten. Verschiedentlich ist bereits nachgewiesen worden, dass eine geschlechteradäquate Hochschullehre, die Einbeziehung sozialer und kommunikativer Aspekte, ein team-, projekt- und anwendungsorientiertes Studium technische und ingenieurwissenschaftliche Studiengänge für Frauen attraktiver macht. Gleiches gilt höchstwahrscheinlich auch für die Mathematik.“

Sechs Projektfelder – Schwerpunkt Natur- und Technikwissenschaften
Im Antrag auf Einrichtung des Zentrums ist bereits ein inhaltlicher Schwerpunkt für Gender Studies in Braunschweig expliziert: „Im Hinblick auf die bereits bestehenden Studiengänge zu Frauen- und Geschlechterstudien in Niedersachsen, die sich überwiegend auf die philosophischen und sozialwissenschaftlichen Fakultäten konzentrieren, wäre dies ein Novum. Mit der Schwerpunktsetzung auf natur- und technikwissenschaftliche Fächer wird der Prioritätensetzung Rechnung getragen, die sich auch in der Ausrichtung des NFFG widerspiegelt.“ Somit geht der inhaltliche Konzeptentwurf von den Gegebenheiten des Hochschulstandortes Braunschweig aus und betont insbesondere die Chance einer auch über die Grenzen von Geistes- und Naturwissenschaften, von Natur- und Sozialwissenschaften hinausgehenden Zusammenarbeit.

Ausgangspunkt für den ersten Konzeptentwurf, der unten näher ausgeführt wird, waren hierbei die Fächer, die sich zu diesem Zeitpunkt am „Netzwerk Geschlechterfragen aus interdisziplinärer Sicht“ beteiligt haben: Architektur // Didaktik der Biologie // Didaktik der Chemie // Geschichte // Kunstgeschichte und Kunstwissenschaften // Lebensmittelchemie // Literaturwissenschaft // Medienwissenschaften // Musik und Musikdidaktik // Pädagogik // Pädagogische Psychologie // Pharmazie // Philosophie // Politologie // Psychologie // Sozialwesen // Soziologie.

Strukturell wird vorgeschlagen, im zu entwickelnden gemeinsamen Lehrangebot Gender Studies eine Trennung in einführende und weiterführende Veranstaltungen vorzunehmen. „Die weiterführenden Veranstaltungen können je nach Bedarf der Fächer als Module (zeitlich unterhalb der Seminargröße; mehrere Module ergeben einen Seminarschein) oder als Seminare gestaltet werden. Besonderes Gewicht wird auf innovative Veranstaltungsformen gelegt, z.B. Projektseminare.“

Für den inhaltlichen Ausbau dieser Struktur ist im Antrag eine Orientierung am Konzept der Internationalen Frauenuniversität „Technik und Kultur“ (ifu) mit ihren interdisziplinären Projektbereichen als Kerngerüst der Studienstruktur vorgeschlagen, die jedoch hier entsprechend der Besonderheiten der drei Braunschweiger Hochschulen angepasst wurde. Es ergeben sich somit sechs sogenannte Projektfelder:

Die am Rande der Projektfelder genannten Disziplinen sollen nicht auf diese Felder beschränkt werden; auch bestehen zahlreiche Überschneidungen und Wechselbeziehungen zwischen den Feldern.
Auf eine weitere Ausführung zu den Inhalten der einzelnen Projektfelder, wie sie im Antrag auf Einrichtung des Zentrums ausgeführt ist, wird hier verzichtet, da diese Einteilung (noch) keinen verbindlichen Status für die Arbeit des Braunschweiger Zentrums für Gender Studies und ein geplantes Studienangebot hat und derzeit weiterentwickelt wird.

Weiterentwicklung
Die Ausarbeitung eines fundierteren curricularen Konzepts oder einzelner Module erfolgt durch die „Gemeinsame Kommission Gender Studies“ unter Zuarbeit durch die Wissenschaftliche Mitarbeiterin des Zentrums. Erster Schritt hierfür ist die Erhebung zum derzeitigen Stand und zu zukünftigen Potentialen der Frauen- / Genderforschung an allen Fachbereichen der drei Braunschweiger Hochschulen, die derzeit durchgeführt wird. Die Erhebung überprüft dabei die Tragfähigkeit des ersten Entwurfs mit den genannten sechs Projektfeldern und liefert Anregungen für eine Optimierung dieser Struktur. Auf einer solchen Grundlage und unter Berücksichtigung der Erfahrungen mit bereits bestehenden Studienangeboten im Bereich Gender Studies (im deutsprachigen Raum) soll spätestens im Frühjahr 2004 ein entsprechendes Konzept vorgelegt werden. Dass eine curriculare Verankerung einen längeren Zeitrahmen benötigt, ist dabei unumgänglich.

Übergangslösung
Bis zur Verankerung eines ausgewiesenen Studienangebots „Gender Studies“ werden die Lehrangebote zum Thema „Gender“ aller drei Hochschulen in einem gemeinsamen Vorlesungsverzeichnis zusammengefasst. Dies wird den Studierenden bereits vor Institutionalisierung eines Gender-Studienganges die Möglichkeit selbstorganisierter Gender Studies bieten. Durch Vermerk, welche Scheine jeweils erworben werden können, sollen die Möglichkeiten der gegenseitigen Anerkennung, die jetzt schon bestehen, ausgenutzt werden. Das Braunschweiger Zentrum für Gender Studies hat in dieser Phase die wichtige Funktion, Informationen auszutauschen und mögliche Anerkennungsfragen zum Teil auf dem „kleinen Dienstweg“ zu klären.

Einer der Ausgangspunkte für die Idee der Errichtung des Braunschweiger Zentrums für Gender Studies und eines gemeinsamen Curriculums ist die fächer- und z.T. hochschulübergreifende Ringveranstaltung „Geschlechterdifferenzen aus interdisziplinärer Sicht“, die seit 2001 regelmäßig stattfindet. Ab dem Wintersemester 2003 / 2004 wird diese mit Unterstützung des Zentrums durchgeführt. Zur Optimierung der Veranstaltung wurde in Kooperation von Prof. Dr. Ingeborg Wender und dem Zentrum eine Evaluierung des Seminars durch die Studentinnen vorgenommen, die in zukünftige Seminare einfließen wird.