Gender und systemtheorie

 

Tagung an der HBK und Buch

Warum ist die Kunst von Pipilotti Rist gleichzeitig „hip“ für LeserInnen von Emma und Vogue? Was geschieht, wenn Marianne Rosenbergs Er gehört zu mir sich vom Hetero- zum Homohit wandelt und so Kitsch zu „Camp“ wird? Wie verwendet Kara Walker in ihren Scherenschnitten Ironie in Bezug auf die Differenzen von männlich / weiblich und weiß / schwarz?

Auf der Tagung Gender Studies und Systemtheorie und im gleichlautenden Buch wird der Zusammenhang von Geschlecht und Gesellschaft neu reflektiert, um insbesondere für die Kunst- und Kulturwissenschaften erweiterte Perspektiven zu entwickeln. Bislang gab es zwischen der Geschlechterforschung und der Theorie sozialer Systeme Luhmann nur wenige Verbindungslinien. Vielmehr bestand das Vorurteil, die Forschungsansätze unterschieden sich von Grund auf: Die „kühle Beobachtung“ der Systemtheorie vertrage sich nicht mit dem geschlechterpolitischen Engagement der Gender Studies. Doch gerade ein Austausch zwischen diesen Theorien bietet die Möglichkeit, den Zusammenhang von Geschlecht und Gesellschaft neu zu reflektieren.
Einen solchen Theorietransfer stellt das soeben erschienene Buch „Gender Studies und Systemtheorie“ an. HerausgeberInnen im Auftrag des Instituts für Kunstwissenschaft der HBK Braunschweig sind Sabine Kampmann, Alexandra Karentzos und Thomas Küpper. Die Autorinnen und Autoren aus der Kunstwissenschaft, der Literaturwissenschaft und der Soziologie stellen auf der Tagung ihre aktuellen Überlegungen zum Thema vor.

Tagung und Präsentation des Buches am Instituts für Kunstwissenschaft der HBK:

Datum: Freitag, den 2. Juli 2004
Zeit: von 10 bis 16.30 Uhr
Ort: Seminarraum der Medienwerkstatt, Eingang Johannes-Selenka-Platz

Die Tagung wird gefördert durch das Braunschweiger Zentrum für Gender Studies.

Hier: Tagungsankündigung und Tagungsprogramm als pdf-Download. Nähere Informationen unter www.hbk-bs.de.

 

Tagungsablauf

10.00 Uhr Prof. Dr. Michael Schwarz, Präsident der HBK Braunschweig
Begrüßung

10.15 Uhr Sabine Kampmann, Alexandra Karentzos, Thomas Küpper
Einführung

10.30 Uhr Prof. Dr. Kai-Uwe Hellmann, Essen
1988 - und was nun? Eine Zwischenbilanz zum Verhältnis von Systemtheorie und Gender Studies

Kaffeepause

11.30 Uhr Sabine Kampmann, Braunschweig
Was heißt eigentlich Post-Feminismus? „… eine möglichst trittsichere und graziöse Flucht nach vorn“ (Pipilotti Rist)

12.15 Uhr Dr. Alexandra Karentzos, Berlin
Manifest für Ironiker/innen. Zur Kunst der Beobachtung

Mittagspause

14.00 Uhr Dr. Christine Weinbach, Bielefeld
Systemtheorie und Gender: Geschlechtliche Ungleichheit in der funktional differenzierten Gesellschaft

Kaffeepause

15.00 Uhr PD. Dr. Bettina Gruber, Bochum
Gender als Strategie der Dauer.
Eine Lektüre von Baudelaires “Une Charogne“

15.45 Uhr Dr. Thomas Küpper, Frankfurt a.M.
„Ist es wahre Liebe…?“ Kitsch und Camp aus evolutionstheoretischer Sicht

Abschlussdiskussion

Das Buch: Gender Studies und Systemtheorie - Studien zu einem Theorietransfer

Sabine Kampmann/Alexandra Karentzos/Thomas Küpper (Hg.):
Gender Studies und Systemtheorie. Studien zu einem Theorietransfer.
Bielefeld: transcript Verlag 2004. 22,80 Euro, ISBN: 3-89942-197-3.

Zwischen Gender Studies und Systemtheorie sind bislang kaum Verbindungslinien wahrgenommen worden. Vielmehr besteht das Vorurteil, die beiden derzeit sehr prominenten Forschungskonzepte seien von Grund auf verschieden: Die "kühle Beobachtung" der Systemtheorie Niklas Luhmanns vertrage sich nicht mit dem politischen Engagement der Gender Studies. Tatsächlich aber eröffnet ein Austausch zwischen beiden Theorien neue Perspektiven: Gender Studies auf der einen Seite lenken das Augenmerk der Systemtheorie auf die von ihr bisher vernachlässigte Kategorie "Geschlecht"; die Systemtheorie auf der anderen Seite eignet sich gerade durch ihre auf Differenz abstellende Form der Beobachtung von Kommunikation dazu, Geschlechterkonstrukte ertragreicher zu analysieren, als dies bisher häufig der Fall ist. So entsteht ein Theorietransfer, der zunächst auf kunst- und literaturwissenschaftlicher Ebene seine Stärken beweist.
Sabine Kampmann ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig; Alexandra Karentzos wissenschaftliche Assistentin an den Staatlichen Museen zu Berlin; Thomas Küpper wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft an der Universität Frankfurt am Main.